Remember Art Cologne | AC D-020

08.05.20 bis 27.06.20

VERNISSAGE: 08. Mai 2020, 11-18 Uhr

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Remember Art Cologne
AC D-020 
William Anastasi, Dove Bradshaw, Heinz Breloh, Andreas Gefeller, Benjamin Houlihan, Francois Jacob, Pauline Mbarek, Peter Tollens

Aufgrund der Verschiebung der ART COLOGNE auf den Herbst 2020, präsentiert die Thomas Rehbein Galerie die für die Messe vorgesehenen Arbeiten in den Galerieräumen. Gezeigt werden neben Malerei von William Anastasi, Dove Bradshaw, François Jacob und Peter Tollens auch Skulpturen des 2011 verstorbenen Heinz Breloh und von Pauline M‘barek, sowie Fotografien von Andreas Gefeller und Zeichnungen von Benjamin Houlihan.  

 

WILLIAM ANASTASI (1933, Philadelphia)
Mit der Umsetzung seiner blind ausgeführten Malereien, hinterfragt William Anastasi die Idee ästhetischer Kritik innerhalb der Kunst. Durch seine Technik stellt er die Malerei und deren Beurteilung auf den Kopf. Diese Umkehrungen zeigen Anastasis Wunsch, a priori Regeln, die wir für die Einordnung der Darstellung von Schönheit und Hässlichkeit, Gut und Böse, Subjektivität und Objektivität verwenden, kategorisch in Frage zu stellen. In diesen Arbeiten, die mit kraftvollen Gesten und bewegten Farben gefüllt sind, ist das Gesehene, laut Anastasi, letztendlich beliebig. Was wir in den Malereien sehen ist zum größten Teil eine Reflektion unserer selbst, eine nach innen gerichtete Spiegelung.


DOVE BRADSHAW (1949, New York)
Seit den späten 1960er Jahren setzt Dove Bradshaw die Unbestimmtheit und den Zufall als gestalterische Prinzipien ein, die ihren Umgang mit Materialien bestimmen. Unter dem Einfluss von John Cage, dem sie 1977, 27-jährig erstmals begegnet und dessen Verständnis einer von aller einengenden Doktrin und Konvention befreiten Kunst sie teilt, beginnt sie die unberechenbaren Auswirkungen von Zeit, Wetter, Erosion, sowie Witterungsverhältnissen auf natürliche, chemische und künstlich hergestellte Substanzen zu erproben. Sie nutzt die Handlungsfreiheit der Chemie (John Cage) und behandelt Oberflächen aus Metall mit chemischen Substanzen und Oxidationsmittel. Oft bestreicht sie Blattsilber mit Schwefel, um die ohnehin mit der Zeit eintretende Verfärbung und Entstehung der Patina zu bekräftigen. In diesen quasi experimentellen Versuchsanordnungen bleibt der Ausgang der einsetzenden Reaktionen offen.


HEINZ BRELOH (1940, Hilden)
Heinz Breloh hat Zeit seines Schaffens ein ästhetisches Konstrukt entwickelt, so dass seine Werke autonom und zugleich als Instrument bildhauerischer Welterforschung funktionieren. Der Bildhauer analogisiert spezifische Probleme von Raum, Körper und Relationen sowie deren ästhetische Umsetzung in der Skulptur. Dabei richtet Heinz Breloh sein inhaltliches Interesse einzig auf die menschliche Gestalt. Der Werkstoff, die Materie, stellt für ihn keinen toten Stoff dar. Ton, Gips und Bronze werden zu potentiellen Materialisationen von geistigen Prinzipien, sowie leiblichen und seelischen Empfindungen. In seinem Arbeitsfeld wird Sinnlichkeit zur ästhetischen Kategorie, die Materie dient ihrer Darstellung in reiner Form.


ANDREAS GEFELLER (1970, Düsseldorf)
Dem Werk von Andreas Gefeller wohnt die stille Poesie intensiver Beobachtung inne. Von einer nahezu wissenschaftlichen Neugier und Begeisterung für Naturphänomene angeregt, sucht Gefeller nach Bildern hinter dem äußeren Anschein und eröffnet damit eine Ebene subjektiver Interpretation und Reflexion. Indem er Spuren aufzeigt und Strukturen offenlegt, geht er nicht nur seiner eigenen Faszination für die Schöpfung sowie einer konzentrierten Beschäftigung mit einer sich verändernden Umwelt nach, sondern versucht, Licht auf existenzielle Fragen zu werfen. Mit sensiblem Gespür legt Gefeller das assoziative Potenzial von oberflächlichen Erscheinungen frei und lotet die kosmische Dimension alltäglicher Begebenheiten aus.


BENJAMIN HOULIHAN (1975, Olpe)
Zitat von Olaf Salié zu den licked paintings:
„Was mich an den licked paintings von Benjamin Houlihan fasziniert, ist ihre Doppelbödigkeit. Der erste Eindruck ist rein ästhetischer Natur. Ich sehe Blütenblätter, ihre Zartheit, ihre Farbe empfinde ich als dekorativ und ornamental, wie geschaffen letztendlich auch für das Medium, den Bildträger Porzellan. Erst die Information über den Prozess schafft eine neue Ebene. Die Bildelemente sind geleckt, statt Blütenblätter sehe ich Abformungen der Zunge des Künstlers. Der erste Eindruck wird massiv korrigiert. Die Arbeit erhält plötzlich etwas in höchstem Maße Intimes, fast Sexuelles. Es geht nicht um Schönheit, natürlich nicht. Es geht um die Auseinandersetzung und um eine größtmögliche Annäherung des Künstlers an den schöpferischen Akt selbst. Mehr Sinnlichkeit, mehr Verschmelzung geht nicht.“


FRANCOIS JACOB (1976, Brüssel)
Francois Jacobs Bildern wird immer wieder eine altmeisterliche Ausführung zugeschrieben, und tatsächlich tauchen vor dem geistigen Auge beispielsweise aufgrund der starken Helldunkel-Kontraste, der farblichen Tonalitäten oder der Motive Referenzbilder von Künstlern wie Michelangelo Merisi da Caravaggio, Paul Cezanne, Edgar Degas oder auch James Ensor hervor. Aber zugleich sind Francois Jacobs Bilder absolut zeitgenössisch, in erster Linie deshalb, weil sie die Menschen in unheimlichen, zwanghaften, skurrilen oder gar bedrohlichen Situationen zeigen. In Anbetracht der gegenwärtigen vielfältigen Herausforderungen, der sich die Menschheit gegenübersieht, wie etwa die zunehmende Globalisierung, Digitalisierung, Automatisierung usw. schafft Jacob zwar zeitenthobene, aber starke Visualisierungen, ohne jemals konkret zu werden. Seine Bilder spiegeln vielmehr im übertragenen Sinn einen gewissen Zeitgeist wider.


PAULINE M’BAREK (1979, Köln)
Für Pauline M’barek ist der Körper und sein Wahrnehmungsapparat zugleich Untersuchungsgerät und Gegenstand der Untersuchung. Dabei geht es in ihrer Kunst weniger um die Offenlegung eines Ergebnisses, sondern vielmehr um die konkreten körperlichen Äußerungen, die solchen Vorgängen des Aufdeckens und Entdeckens eingeschrieben sind. In ihrer Werkgruppe RELIKTE transformiert M’barek die vom Körper beim Graben hinterlassene Spuren und damit gleichsam die erfahrenen Sinneseindrücke in plastische Gestalt. Die resultierenden Objekte sind Zeugnisse einer Bewegung von Händen, die tief in den Sand eindringen. Durch blinde, unterirdische Suchbewegungen entstandene Hohlräume werden durch unzählige, feine Gipsschichten abgegossen und als Positiv wieder ausgegraben.


PETER TOLLENS (1954, Kleve)
Peter Tollens’ aus der Ferne vermeintlich einfarbigen Gemälde erweisen sich in der Nahsicht als vielfach polychrom. Wenn man von der Seite auf ein Bild blickt, zeigen sich die vielen Lagen von Farben, die Tollens mit Pinsel und Spachtel aufträgt, bis sie ein eigenes Licht und eine gelegentlich expressive Haptik entwickeln. Der Ursprung seiner farbgesättigten, scheinbar monochromen Bilder, die aus zahlreichen Schichten aufgebaut sind, wurde schon im Studium angelegt. Während sein Lehrer Stefan
Wewerka Alltagsgegenstände veränderte, untersuchte er Werkzeuge und Materialien auf ihre Verwendbarkeit. Tollens‘ Malerei lässt die Integrität und Eigenständigkeit der Materialien innerhalb der Kunstform in Erscheinung treten, und es ist klar ersichtlich, dass die Farbe das Thema seiner Gemälde ist.

 

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Due to the postponement of ART COLOGNE to autumn 2020, Thomas Rehbein Gallery is presenting works intended for the fair in the gallery space. In addition to paintings by William Anastasi, Dove Bradshaw, François Jacob and Peter Tollens, there will be shown sculptures by Pauline M’barek and Heinz Breloh, who died in 2011, photographs by Andreas Gefeller and drawings by Benjamin Houlihan.

 

WILLIAM ANASTASI (*1933, Philadelphia)
With the implementation of his blind paintings, William Anastasi questions the idea of aesthetic criticism within art. Through his technique, he turns painting and its evaluation upside down. These reversals show Anastasi’s desire to categorically question a priori rules that we use to classify the depiction of beauty and ugliness, good and bad, subjectivity and objectivity. In these works, which are filled with powerful gestures and moving colors, what is seen, according to Anastasi, is ultimately arbitrary. What we see in the paintings is largely a reflection of ourselves; an inward reflection.

 

DOVE BRADSHAW (*1949, New York)
Since the late 1960s, Dove Bradshaw has used vagueness and chance as design principles that determine her handling of materials. Under the influence of John Cage, whom she met for the first time in 1977, at the age of 27, and whose understanding of an art freed from all restrictive doctrine and convention she shares, she began to test the unpredictable effects of time, weather, erosion and weather conditions on natural, chemical and artificially produced substances. She uses the "freedom of chemical action" (John Cage) and treats metal surfaces with chemical substances and oxidizing agents. She often brushes silver leaf with sulfur in order to reinforce the discoloration and patina that develop over time. The outcome of the onset of reactions remains open in these so to say-experimental arrangements.

 

HEINZ BRELOH (*1940, Hilden)
During his time Heinz Breloh developed an aesthetic construct that allows his works to function autonomously and at the same time as an instrument of sculptural research. The sculptor analogizes specific problems of space, body and relations as well as their aesthetic implementation in sculpture. Heinz Breloh focuses his content only on the human form. The material, the matter, does not represent a dead substance for him. Clay, plaster and bronze become potential materializations of spiritual principles, as well as physical and emotional sensations. In his field of work, sensuality becomes an aesthetic category; matter serves to represent it in pure form.

 

ANDREAS GEFELLER (1970, Düsseldorf)
The silent poetry of intense observation is inherent in the work of Andreas Gefeller. Inspired by an almost scientific curiosity and enthusiasm for natural phenomena, Gefeller searches for images behind the external appearance and thus opens up a level of subjective interpretation and reflection. By showing traces and disclosing structures, he not only pursues his own fascination for creation and a concentrated preoccupation with a changing environment, but also tries to shed light on existential questions. With a sensitive instinct, Gefeller uncovers the associative potential of superficial appearances and explores the cosmic dimension of everyday occurrences.

 

BENJAMIN HOULIHAN (*1975, Olpe)
Quote by Olaf Salié about the licked paintings:
„What fascinates me about Benjamin Houlihan’s „licked paintings“ is their ambiguity. The first impression is purely aesthetic. I see petals, their tenderness, their color, I find them decorative and ornamental, as if they were also created for the medium, the porcelain as picture carrier. Only the information about the process creates a new level. The picture elements are licked, instead of petals I see impressions of the artist’s tongue. The first impression is strongly corrected. The work suddenly gets something extremely intimate, almost sexual. It’s not about beauty, of course not. It’s about the discussion and the greatest possible approach of the artist to the creative act itself. More sensuality, more fusion is not possible.“

 

FRANÇOIS JACOB (*1976, Brüssel)
François Jacob’s paintings are always attributed to an old master's style, and reference images by artists such as Michelangelo Merisi da Caravaggio, Paul Cézanne, Edgar Degas or James Ensor actually appear in the mind's eye, for example due to the strong chiaroscuro contrasts, the color tonalities or the motifs forth. But at the same time, François Jacob’s paintings are absolutely contemporary, primarily because they show people in eerie, compulsive, bizarre or even threatening situations. In view of the current diverse challenges that humanity is facing, such as increasing globalization, digitalization, automation, etc., Jacob creates timeless but powerful visualizations without ever becoming concrete. Rather, his pictures reflect a certain zeitgeist in a figurative sense.

 

PAULINE M’BAREK (*1979, Köln)
For Pauline M’barek, the body and its perceptual apparatus are an examination device and the object of examination at the same time. Her art is less about disclosing a result, but rather about the concrete physical expressions that are inscribed in such processes of uncovering and discovering. In her group of works RELIKTE M’barek transforms the traces left by the body when digging and, as it were, the experienced sensory impressions into plastic form. The resulting objects are evidence of a movement of hands that penetrate deep into the sand. Cavities created by blind, underground search movements are poured off through innumerable, fine layers of plaster and excavated again as positive.

 

PETER TOLLENS (*1954, Kleve)
From a distance, Peter Tollens’ supposedly monochrome paintings turn out to be polychrome in many cases. If you look at a picture from the side, the many layers of colors that Tollens applies with a brush and spatula become apparent until they develop their own light and an occasionally expressive feel. The origin of his color-saturated, seemingly monochrome pictures, which are made up of numerous layers, was laid out during his studies. While his teacher Stefan Wewerka changed everyday objects, he examined tools and materials for their usability. Tollens' painting reveals the integrity and independence of the materials within the art form, and it is clear that color is the subject of his paintings.

 


Knstler:
William Anastasi / Dove Bradshaw / Heinz Breloh / Andreas Gefeller / Benjamin Houlihan / Francois Jacob / Pauline Mbarek / Peter Tollens